Ayuda

Posted by on Feb 15, 2015 in Fiction, Long

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Langfilm | Länge: 100 min | Produktion: footsteps filmproduktion

Eines Morgens wird Marilyn erhängt an ihrer Schaukel auf dem Dachboden des Mietshauses gefunden. Für den ermittelnden Polizisten aus dem Erdgeschoss steht schnell fest: Marilyn wurde umgebracht. Er hat einen Tag, um den Fall aufzuklären und dabei einen Blick in das Leben der anderen Hausbewohner zu werfen:

Das alte Ehepaar, das sich in den letzten Zügen des Weltkrieges in Gefangenschaft kennen lernte und seitdem nur durch Morsezeichen kommuniziert, die Wohngemeinschaft der Lebemenschen Marco, Nils, Nora und Mia, die sich weigern, ein Alibi zu liefern, die vierköpfige Biedermann-Familie hinter deren perfekter Fassade ein Geheimnis lauern muss und die Studenten-WG, in der der depressive Kilian und der von Marilyn besessene Künstler Sammy wohnen, geraten am folgenden Tag in immer neue Wirrungen.

Am Ende des Tages ist der Fall zwar gelöst, aber der Täter plant schon die nächste Vorstellung.

Wenn Nadine oder ich vom Filmemachen erzähen, dann fällt früher oder später der Titel AYUDA. Dieser Film ist für uns die geballte Fülle an ambivalenter Erfahrung. Wir waren damals sehr jung (21) und voller Ambition und nahmen uns gemeinsam mit meinem alten Schulfreund Ralf der Herausforderung eines eigenen Langfilms an. Ahnung davon hatte von uns keiner. Ralf und ich hatten vorher drei sehr mäßige Kurzfilme gedreht und Nadine hatte ein Buch geschrieben (“Die Bewohner eines Hauses” hieß es damals). Was lag also näher, als sich zusammen zu tun und daraus einen Film zu machen? Wir fragten Freunde, ob sie helfen wollten und Bäcker, ob wir Brötchen bekommen. Wir arbeiteten insgesamt mehr als fünf Jahre dafür, dass das Ganze stemmbar wurde. Wir backten Kuchen für Sponsoren und arbeiteten in den Ferien für die Produktionskasse. Gut, dass wir Magister-Studenten waren, denn an der Uni waren wir zu der Zeit selten.

Irgendwann haben wir dann tatsächlich gedreht, insgesamt 28 Tage, mit 19 Schauspielern in und um ein verlassenes Mietshaus in Mendig in der Eifel. Wir hatten eine 30 köpfige Crew rund um Branchennerds und gute Freunde zusammengetrommelt und bis heute weiß eigentlich niemand von uns, wie es gelang vor diesen 50 Leuten zu verbergen, dass eigentlich niemand von uns auch nur den blassesten Schimmer davon hatte, was er da tat. Naja, vielleicht haben die Leute es bemerkt und sind aus Freundlichkeit geblieben. Und während wir nach sechs Tagen schon einen ganzen Drehtag hinter dem Plan hingen, lernten wir, verbesserten uns und schafften es einer schier unfassbaren Teamleistung diesen Film über die Bühne zu bringen. Beteiligte verfallen auf das Thema angesprochen heute teils noch in panischen Lachen oder sofortige Flucht. Nicht wenige griffen danach zur Flasche. Aber es entstanden auch Freundschaften fürs Leben!

Das Ende der Geschichte ist trauriger. Aus unseren großen Ambitionen (“Hollywood”, “Ruhm”, “Revolution des Filmmarktes”, “Rückzahlung der Schulden”) wurde nichts. Der Film, der dann nochmals mehr als zwei Jahre fertiggestellt wurde, lief auf keinem einzigen Festival. Selbst das Krimifestival Eifel (der Film ist ein Krimi und kommt aus der Eifel) lehnte uns ab.

Damals machte mich das natürlich sehr traurig und hätte mich um ein Haar die Filmerei ganz an den Nagel hängen lassen. Heute sehe ich den Film dann aber anders: Ja, er ist
nicht perfekt und in vielerlei Hinsicht ist unsere Naivität in jeder Pore des Film zu spüren. Dieser Film ist wirklich “anders”! Aber mittlerweile denke ich: cool! Einfach “anders”! Das hat irgendwie was.

Und es macht mich riesig stolz auf das Ganze, auf das, was wir damals alle gemeinsam in diesem Sommer in Mendig (und im Frühjahr drauf) geschafft haben.

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